Verstopfung – Formen & Ursachen

Akute und chronische Verstopfung

Eine akute Verstopfung kann sich in einem sehr kurzen Zeitrahmen entwickeln und ist ein plötzlich auftretendes Krankheitsbild. Weitere Informationen zu akute Verstopfung.

Eine chronische Verstopfung liegt vor, wenn in einen Zeitraum über drei Monate die Darmentleerung weniger als dreimal in der Woche stattfindet. Weitere Informationen zu chronische Verstopfung.

Akute Verstopfung

In den meisten Fällen spielen Veränderungen der Lebensumstände wie beispielsweise eine Reise oder Bettlägerigkeit sowie eine Ernährungsumstellung eine Rolle. Weitere Ursachen sind Hormonschwankungen oder akute Infektionen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass diverse Medikamente eine akute Obstipation auslösen. Eine akute Verstopfung kann auch auf eine ernsthafte Erkrankung wie Schlaganfall, Bandscheibenvorfall oder Darmverschluss hindeuten. Bei starken Beschwerden ist der sofortige Arztbesuch notwendig.

Darmverschluss, Schlaganfall und Bandscheibenvorfall

Handelt es sich um einen Darmverschluss, ist die Darmpassage blockiert. Als Ursachen gelten ein mechanisches Hindernis wie beispielsweise eine Verengung oder eine Darmverdrehung. Weitere Auslöser sind eine Lähmung der Darmperistaltik, Strangulation des Darmes oder eine Darmverschlingung. Bei einem Darmverschluss treten neben den Verstopfungsbeschwerden noch zusätzliche Beschwerden auf wie ein angeschwollener Bauch, starke Schmerzen, Schock und Erbrechen von Kot. Ein Betroffener muss sofort das Krankenhaus aufsuchen, da ein unbehandelter Darmverschluss tödlich sein kann. Schlaganfall und Bandscheibenvorfall bewirken eine akute Verstopfung, sobald die für Verdauungsvorgänge verantwortlichen Nerven und ihre Ursprungszentren im Gehirn betroffen sind.

Reiseobstipation

Vor oder während einer Reise kann eine Verstopfung auftreten. Oftmals normalisiert sich die Darmtätigkeit erst nach einigen Tagen an einem Urlaubsort. Bis dahin plagen Betroffene Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und ein aufgeblähtes Gefühl. Verschiedene Ursachen bewirken eine Reiseobstipation. Stress vor dem Urlaubsantritt spielt eine wesentliche Rolle. Auch lange Auto- und Busfahrten oder Flüge begünstigen die Entwicklung einer Verstopfung. Weitere Gründe sind Flüssigkeitsmangel bei sehr hohen Temperaturen, Zeitumstellung sowie ungewohnter Tagesablauf. Außerdem beeinflussen ungewohnte Gewürze und Nahrungsmittel die Darmtätigkeit und können für eine Reiseobstipation verantwortlich sein. Zusätzlich verspüren einige Reisende Unbehagen vor fremden WC-Anlagen und unterdrücken oftmals den Stuhldrang.

Maßnahmen gegen Reiseobstipation

Man sollte vor und während des Urlaubs auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten. Außerdem ist es wichtig, genügend Flüssigkeit einzunehmen. Auch im Flugzeug oder in der Bahn sollte man sich regelmäßig bewegen. Bei längeren Autofahrten sind häufige Pausen sinnvoll. Zusätzlich muss man versuchen, ein Unterdrücken des Stuhlgangs zu vermeiden. Die Verwendung von Desinfektionsmitteln erleichtert oftmals die Benutzung von Toiletten, die den eigenen hygienischen Standards nicht entsprechen.

Pseudo-Obstipation

Sobald eine vollkommene Darmentleerung stattgefunden hat, kann erst nach einigen Tagen erneut normaler Stuhldrang auftreten. Das ist ein natürlicher Vorgang und man leidet nicht an einer Verstopfung. Daher ist es nicht notwendig, Abführmittel einzunehmen. Eine Ernährungsumstellung wie beispielsweise Fastenkuren oder eine Diät können eine Pseudo-Obstipation bewirken. Außerdem gelten starker Durchfall oder Darmuntersuchungen als auslösende Faktoren. Eine seltene Stuhlentleerung entsteht auch bei verringertem Nahrungsangebot wie zum Beispiel Hypogalaktie (Brust der Mutter versorgt den Säugling nicht ausreichend mit Milch) stillender Mütter oder bei akuten Infektionskrankheiten. Die feste Kost ist eingeschränkt und es entsteht eine erhöhte Wasserresorption im Dickdarmbereich. Auch häufiges Erbrechen kann für eine Pseudo-Obstipation verantwortlich sein.

Chronische Verstopfung

ToiletteBei chronischer Verstopfung  bereitet die Darmentleerung große Schwierigkeiten. Darüber hinaus treten auch weitere Symptome auf. Der Stuhlgang bereitet Schmerzen und zur Darmentleerung ist starkes Pressen notwendig. Im Unterbauch entstehen Blähungen oder Druckgefühle. Außerdem hat ein Betroffener das Gefühl, dass er keinen Stuhl absetzen kann, obwohl der Stuhldrang besteht. Die Ursachen für eine chronische Verstopfung liegen hauptsächlich in falschen Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel.

Drei Formen werden unterschieden. Während kologene und anorektale Obstipation organische Ursachen haben, sind bei einer idiopathischen Verstopfung oftmals psychosomatische Faktoren der Auslöser.

Kologene Obstipation

Eine kologene Obstipation wird auch als „Slow-transit-Obstipation“ bezeichnet. Bei dieser Form der chronischen Verstopfung existiert eine Störung im Dickdarm-Bereich. Die Transportzeit der Nahrungsreste ist verlängert. Von der Aufnahme der Nahrung bis zur Ausscheidung beträgt die Zeit normalerweise zwei bis fünf Tage. Sobald diese Passage länger als fünf Tage dauert, handelt es sich um eine kologene Obstipation. Die Hauptursache ist eine geringe Darmperistaltik. Das bedeutet, dass die Beweglichkeit des Darmes eingeschränkt ist. Der Nahrungsbrei bewegt sich in sehr langsamer Weise vorwärts. Dabei entsteht ein Wasserentzug. Das Endresultat ist harter Stuhl, der die Darmentleerung erschwert und die Verstopfung bewirkt.

Ursachen für verringerte Darmperistaltik

Die verringerte Darmbeweglichkeit, die zur Verstopfung führt, hat unterschiedliche Ursachen. Nerven oder Muskeln, die den Darm versorgen, sind gestört. Diese Beschwerden treten beispielsweise beim Krankheitsbild Multiple Sklerose auf. Bei Diabetes mellitus, einer Schwangerschaft oder einer Schilddrüsenunterfunktion können Hormonstörungen die gestörte Darmperistaltik hervorrufen. Weitere Auslöser sind ballaststoffarme Ernährungsweise oder die Nebenwirkungen diverser Medikamente wie zum Beispiel Anticholinergika oder Opiate.

Anorektale Obstipation

Die anorektale Obstipation entsteht bei Störungen oder Veränderungen im Enddarm-Bereich (Rektum) undAfter-Bereich. Diese Beschwerden bewirken Probleme bei der Darmentleerung. Trotz starkem Pressen bleibt der Stuhlgang aus. Beim Anspannen der Bauchmuskulatur für das Pressen spann sich gleichzeitig der Schließmuskelam Darmausgang an. Auf diese Weise kommt es zu einer Darmentleerung. Das Resultat ist eine Verstopfung. Verschiedene Ursachen können eine anorektale Obstipation hervorrufen.

Ursachen für anorektale Obstipation

Verengungen im Analkanal-Bereich können diese Form der Verstopfung hervorrufen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass beim Pressen ein Vorfall im Enddarm-Bereich die Obstipation hervorruft. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Rektumprolaps. Mögliche Ursachen sind auch eine Sensibilitätsstörung des Enddarms und Veränderungen der Anus- oder Enddarmmotorik.

Idiopathische Obstipation

Handelt es sich um eine idiopathische Verstopfungen, liegen keine Veränderungen des Darmaufbaus oder der Darmfunktion vor.

Ursachen  einer idiopathischen Obstipation

Da keine organischen Ursachen als Auslöser gelten, führt man diese Art der Verstopfung auf psychosomatische Gründe zurück. Stressreaktionen oder belastende Situationen bewirken oftmals diese Form der Obstipation. Außerdem kann sie auftreten, falls man Stuhlgänge willkürlich unterdrückt. Auch das Reizdarmsyndrom spielt eine Rolle.

Chronische Obstipation – Häufigkeit und Vorkommen

Chronische Obstipation ist ein relativ häufiges Krankheitsbild. In Industrieländern sind circa 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Frauen leiden häufiger an chronischer Verstopfung als Männer. Auch Kinder und alte Menschen leiden oftmals unter diesen Beschwerden. Bei über 60-jährigen sind etwa 20 bis 30 Prozent betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl der Erkrankungen. Da oftmals der Arztbesuch nicht stattfindet, gibt es eine hohe Dunkelziffer. Bei Kindern leiden etwa drei Prozent an Verstopfung. Als Hauptursachen für Verstopfung bei Kindern gelten falsche Ernährung wie zu viel Fast Food und Schokolade sowie zu wenig Bewegung. In seltenen Fällen lösen organische Probleme die Obstipation aus.